Was ist sexuelle Belästigung?

Sexuelle Belästigung ist KEIN Kompliment! Sie hat nichts mit Flirten, Liebe oder Ähnlichem zu tun. Es gibt verschiedene Arten sexueller Belästigung. Die Bandbreite reicht von Starren, expliziten Gestiken über sexistische Kommentare, anzügliche Witze bis hin zu körperlichen Übergriffen wie Grabschen oder gar Vergewaltigungen.  Häufig sind die Vorfälle weniger eine Frage der Sexualität als der Macht und oft spielen auch Abhängigkeitsverhältnisse eine große Rolle.

Laut Definition des Europäischen Parlaments ist sexuelle Belästigung „jede Form von unerwünschtem Verhalten sexueller Natur, das sich in unerwünschter verbaler, nicht-verbaler oder physischer Form äußert und das bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird(…)” Die Betonung liegt hier auf „unerwünscht“. Sexuelle Belästigung ist immer ein einseitiges und unerwünschtes  Verhalten!  Die Verantwortung für diese Grenzüberschreitungen liegt bei den Belästigern! Sexuelle Belästigung beginnt dort, wo signalisierte Grenzen überschritten werden und lässt sich vermeiden, wenn wir unser Gegenüber als ebenbürtigen Menschen ansehen und respektieren und ihn nicht zum Sexualobjekt degradieren.

Wo tritt sexuelle Belästigung auf?

Ob in der Öffentlichkeit, auf der Straße, bei der Arbeit, in Institution wie der Universität oder aber „hinter verschlossenen Türen“  d.h. im privatem Umfeld (Freunde, Familie etc) sexuelle Belästigung kann in jedem Lebensbereich auftauchen!
So ist auch das Nachtleben ist keineswegs frei von sexueller Belästigung. Sowohl in der Stammkneipe, der Cocktailbar, im Szeneclub oder auf dem Heimweg kommt es sehr häufig zu sexuellen Übergriffen. Unerwünschte Annäherungsversuche und überambitionierte Flirtversuche sind für viele Nachtschwärmer völlig normal und gehören „irgendwie dazu“.

Was sind die Folgen von sexueller Belästigung?

Sexuelle Belästigung wird von den Betroffenen als störend, beleidigend oder gar erniedrigend empfunden. Das kann zu Verunsicherungen, Stresssituationen und Unbehagen führen. In einigen Fällen aber auch andauernden Angstzustände, Depressionen und schwerwiegende psychosomatische Beschwerden verursachen. 
Neben den direkten Auswirkungen auf der Opferseite schafft kontinuierliche Belästigung eine bedrohliche Atmosphäre, die nicht nur die Betroffenen dazu zwingt ihr Verhalten den Umständen anzupassen. Das kann schon bei der Wahl des Outfits beginnen, oder bei der Sorge alleine das Haus zu verlassen.

Was soll ich tun, wenn ich belästigt werde?

Das Verhalten hängt immer von der jeweiligen Situation ab und dementsprechend gibt es leider keine Patentlösung für die perfekte Reaktion. 
Denk daran, nur du kannst entscheiden, ab wann ein Annäherungsversuch unerwünscht ist. Keiner weiß besser als du, und deine persönlichen Grenzen überschritten werden und du dich unwohl fühlst.
  • Nimm deine Empfindungen ernst und hab keine Angst davor, als prüde, empfindlich oder humorlos zu gelten!
  • Zeige deinem Gegenüber deutlich, dass das Verhalten unerwünscht ist und du kein Interesse hast.
  • Wenn nötig, such dir Hilfe! Bitte deine Freunde oder andere anwesenden Personen im Umfeld um Unterstützung. Zögere nicht, das Personal, den Barkeeper oder die Security zu informieren.

Wie gehe ich am besten mit Betroffenen um?

Sexuelle  Belästigung ist weder nichtig noch normal! Respektiere die Gefühle des  Gegenübers und nimm sie ernst. Vermeide Wertungen wie „Komm schon, so  schlimm war das doch nicht!“ 
Auch  Kommentare wie „Bei dem provokativem Outfit ist das echt kein Wunder?“, „Wieso bist du auch alleine zu Fuß nach Hause gegangen?“ „Das passiert  halt, wenn man so betrunken ist“ sind kontraproduktiv. Sie setzen den  Betroffen unter Rechtfertigungsdruck und geben die Schuld an dem  Vorfall dem Opfer selbst. (Das sogenannte Victim Blaming).
Wenn  du selbst Zeuge von sexueller Belästigung wirst kannst du in konkreten  Situationen auch aktiv deine Hilfe anbieten:  „Du, kann das sein, dass  dir XY auf die Pelle rückt? Kannst Du ein wenig Rückendeckung  gebrauchen?“. Im Ernstfall auch hier bitte nicht zögern, das Personal,  den Barkeeper oder die Security zu informieren. Gerade bei uneindeutigen Situationen ist es immer besser nachzufragen als einfach wegzuschauen.